lupus in NYC

August 3, 2008

4. Vierter Eintrag – Let me see your blue collar shining

Gespeichert unter: Uncategorized — lupz0r @ 8:57

Die letzte Woche hatte es in sich: Neben einem zweitägigen Trip nach Washington D.C., dem folgenden Wechsel des Hotels galt es den zweistündigen Flug nach Atlanta zu überwinden. Inzwischen sind wir in Auburn, der Universitätsstadt im Hillbillystaat Alabama gelandet. Wer meint in Österreich Engstirnigkeit und Primitivität gefunden zu haben, wird hier schnell eines besseren belehrt. Die Klischees bewahrheiten sich großteils. Dies ist aber nur das Ende einer Woche die geprägt war von Erfahrungen entlang des Reiches der Arbeiterklasse, aber der Reihe nach.
In D.C. gab sich just an dem Montag da wir anwesend waren die WWE ein Stelldichein zum Monday Night Raw – die billigsten Karten gab es um 20$, diese Gelegenheit wollten wir uns also nicht entgehen lassen. Das Spektakel spielte sich im Verizon-Center im Herzen D.C.’s ab, einer Mehrzweck-Halle, die für US-amerikanische Verhältnisse wohl nur gehobenes Mittelmaß darstellen mag, für uns blauäugige Europäer allerdings durchaus einen beeindruckenden Anblick bot. Die Anlage war riesig, etwas vergleichbares, überdachtes habe ich bisher noch nicht gesehen. Überhaupt scheinen Sportereignisse hier noch zwei, drei Nummern größer zu sein. Zur Verdeutlichung: Am Sonntag Abend fand ein WNBA Spiel in der Halle statt und diese schien hoffnungslos ausverkauft gewesen zu sein – zumindest legten die vielen, vor den Toren nach Tickets fragenden, Fans diesen Eindruck nahe.
Derartige Ereignisse scheinen vor allem einen Zweck zu haben: Sie bieten der working class eine Möglichkeit aus dem Regelkorsett des Alltags auszubrechen. Dementsprechend ging es auch beim Monday Night Raw zu. Die Fans buhten die Heels brav aus, und feuerten die Faces energisch an. Den Großteil des Menschenaufgebotes stellten schwer übergewichtige Schwarze, eine geschlechterspezifische Abweichung war nicht festzustellen, möglicherweise waren die Männer leicht in der Überzahl. Darüberhinaus waren viele Familien zu sehen, darunter viele Latinos, weiße working class Familien bildeten eher die Ausnahme. Es zeigt sich also, dass auch in diesem Amerika, das wohl bald einen schwarzen Präsidenten sehen wird, die Segregation alles andere als überwunden ist, bzw. die Wurzel solcher sozialer Phänomene wesentlich tiefer liegt., als dass sie durch bloße Gesetzgebung ausgesteuert werden könnte.
Das RAW Event an sich war nicht sehr berauschend, unser Abend wurde dadurch gerettet, dass das Saturday Night Main Event (das meinen Quellen zufolge gestern im Fernsehen zu sehen gewesen sein sollte) zuvor aufgezeichnet wurde. Im Zuge dieser Sendung gab es ein ansprechendes Match zwischen Edge und Jeff Hardy. Unser Sektor war dabei ganz auf der Seite des Rated R Superstars – bei uns saßen viele weiße Jungs um die 25 – während von rechts lautstark Jeff Hardy Rufe aus heiseren Kinderkehlen ertönten. Obwohl hier doch Gewalt zur Schau gestellt wird, und die Wrestling DVDs – man höre und staune – teilweise ein R Rating erhalten, handelt es sich bei den Veranstaltungen der WWE unterm Strich doch um Familiy Entertainment. Nicht umsonst bewegten wir uns auf dem Heimweg durch eine Schar von Kindern mit Rey Mysterio Masken und kleinen Heavy Weight Championship Gürteln.
Was die Anhängerschaften betrifft so konnte ich kein wirkliches System ausmachen. Ich will mich dennoch an einer Auflistung versuchen:
Kinder, Frauen: John Cena, Jeff Hardy, Rey Mysterio, Kane, Triple H, CM Punk, Cryme Tyme, Mickie James
Schwarze Männer: JBL, Edge, D-Lo Brown, Cryme Tyme, MVP
Weiße Männer: Edge, JBL, William Regal, Santino Marella (beide nur sehr vereinzelt)
Praktisch niemand: Charlie Haas, Glamazon, Jillian
Soviel zur Sports Entertainment Sensation WWE.
Hier in Alabama herrscht die Einöde stark vor. Die größte Attraktion ist der Walmart, in dem es aber auch wirklich alles für next to nothing gibt. So trinken wir mittlerweile, nach einer Dr. Pepper Phase Royal Crown Cola, das allerdings gar nicht so erhaben schmeckt, wie der Name es vermuten lässt. Im Coca Cola Museum in Atlanta (Georgia) waren wir auch – dort gibt es alle erdenklichen Produkte der Coca Cola Company nach Kontinenten geordnet zu verkosten. Folgende Urteile konnten wir uns bilden: Nord-Amerika: eintönig; Süd-Amerika: fruchtig; Europa: von pervers (Beverly) bis köstlich (Mezzo-Mix); Afrika: pervers süß; Asien: alles schmeckt irgendwie nach Tee.
Die größte Umstellung im Vergleich zu New York ist neben der größeren Luftfeuchte, dass es praktisch keine mehrstöckigen Gebäude gibt. Selbst die Malls bestehen aus einer Aneinanderreihung von Bungalows. Die nächsten Tage verbringen wir hoffentlich mit weiteren Hillbilly Aktivitäten wie shopping im Walmart und Western Outlet Store, oder dem Genuß von Barbecue.
Bis dahin, möge der Wrestling God JBL mit euch sein.

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