lupus in NYC

August 20, 2008

5. Conclusio

Gespeichert unter: Uncategorized — lupz0r @ 10:26

Eine Woche ist nun ins Land gezogen seit unserer Rückkehr in die Heimat, Zeit ein Fazit der Reise zu ziehen.

1. Mama, warum sind die Leute alle so fett?

Seit dem gar nicht so guten Supersize Me wissen wir’s eh, aber wenn man die Ausmaße der Adipositas in den USA real vor Augen geführt, bekommt sie eine ganz neue Dimension. Der Grund – Mais und Kartoffel sind die billigsten Nahrungsmittel, Fett und Salz die billigsten Geschmacksträger. Folgerichtig ist billiges Essen in erster Linie fett, die Softdrinks werden alle mit „high fructose corn syrup“ gefertigt, dass dieses konstante Bombardement des Körpers mit Fett und Zucker auf die Figur schlägt, ergibt sich dann schon von selbst. Dabei geht es nicht darum irgendwelche Hollywood induzierten Körperbilder, ein erheblicher Teil der Bevölkerung in den USA ist derart adipös, dass das Erlangen des 55. Lebensjahres und der damit verbundene Eintritt in das staatliche Sozialversicherungsprogramm von vornherein ausgeschlossen scheint. Das prekäre an der Situation: die Fettleibigkeit ist ein Unterschichtenphänomen. Die Menschen in den oberen Einkommensklassen haben die Mittel und das Wissen sich gesund zu ernähren, den anderen wird der oben beschriebene Cocktail aus Stärke, Fett, Salz und Zucker vorgesetzt, der über kurz oder lang den Tod zur Folge hat. Es kommt also zu einer Spaltung in der Gesellschaft. Während der eine Teil eine höhere Ausbildung und physische Gesundheit genießt, frisst sich der Rest langsam aber sicher dem Herztod in den Vierzigern entgegen, während er, solange wie möglich, mindestens einem unterbezahlten low-qualification job nachgeht. Besagter Menschenschlag wird bei Massenveranstaltungen wie eben Pro-Wrestling dann auch dementsprechend gemolken, da er bereitwillig recht hohe Preise für minderwertige Nahrung und Merchandise bezahlt, ohne zu realisieren, dass er damit nur in eine weitere Schuldenfalle tappt. Überhaupt eignet sich diese große Bevölkerungsgruppe recht gut zu einer umfassenden Bewusstseinsprogrammierung, was mich zum nächsten Punkt bringt.

2. God bless America.

Die Amerikaner sind stolze Patrioten. Was im sehr liberalen, weil stets von verschiedenen Kulturen durchzogenen New York noch nicht so offensichtlich wurde, allerdings sehr wohl auch schon vorhanden war, trat beim Aufenthalt im Süden erst so richtig zutage. Die Grundhaltung gegenüber fremden Nationen ist eine nicht unbedingt unfreundliche, aber sehr reservierte. Die Regeln im eigenen Lande stehen über allem, es herrscht eine „mind your own business“ Mentalität vor, bis an den Punkt, da sich ins Business der Amerikaner eingemischt wird, dann gilt es die Interessen der Heimat zu vertreten. Es ist eine Gesellschaft latenter Aggression und Kompromisslosigkeit, in der immer die Sorge besteht, es könnte jemand der eigenen Nation unrecht tun und tritt dieser Fall ein, so ist es nur rechtens dies zu vergelten. Manifest wird diese Einstellung bei alltäglichen Lappalien wie etwa der Kennzeichenwahl im Staat Alabama. Ein Standardkennzeichen, das ohne Zusatzkosten für das Design auskommt, gibt es in zwei Varianten: die eine beinhaltet den Schriftzug „Stars Fell on Alabama“, die andere „God Bless America“. Somit wird jeder Bürger, der nicht willens ist die Kosten für ein Wunschkennzeichen zu tragen so gleich zum Patrioten. Klar, dass diese Haltung irgendwann auch in die Tiefen des Geistes abfärbt.

Bei Massenevents wie den Veranstaltungen der WWE hat die Armee natürlich ihre Finger im Spiel, sämtliche Stars bekunden öffentlich ihren Respekt gegenüber den Männern und Frauen, die die Freiheit der USA auf der ganzen Welt verteidigen und machen klar welche kleine Würstchen sie im Vergleich zu diesen Helden sind. Auch diese Masche greift tief – ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zuschauer bei der WWE sind Kinder, großteils Burschen, die aus diesem Nährboden aus Patriotismus und Märtyrertum erwachsen.

Die Erwartungen an Obama sind hoch, man rechnet damit dass er Fundamentales ändern wird in den Staaten. Wir haben überm Teich aber gesehen wie gut dieses System funktioniert, in dem ein gewisser berechenbarer Teil der Bevölkerung ganz ohne Scham nach der Befindlichkeit des Landes geformt wird. Ob er es sich leisten wird können, dieses, sich in der Tiefenstruktur befindliche Gefälle, aufzulösen, wird sich zeigen.

3. Wir sind doch alle Separatisten.

Die zwei Punkte sollten es illustriert haben – Amerika ist ein gespaltenes Land. Beim abendlichen Schauen der Daily Show begrüßte Jon Stewart einmal einen dude, der ein Buch darüber geschrieben hat, wie sich Amerika immer mehr und mehr auch geographisch-demographisch spaltet. So sind die Intellektuellen eher in den Küstengebieten, so wie im Norden sesshaft, während sich die Unterschicht eher im Landesinneren Richtung Süden hin ansiedelt. Verantwortlich dafür soll die Tendenz der Menschen sein, sich eher in solchen Gebieten niederzulassen, von denen sie wissen, dass in erster Linie ihresgleichen anzutreffen ist. So separiert sich Amerika immer weiter, ohne dass irgendjemandem dafür die Schuld gegeben werden könnte. So weit die Theorie dieses dudes, wie gestaltet sich die Praxis?

Nun, die Differenz zwischen New York und dem Rest Amerikas ist enorm. So dicht gedrängt und belebt ist es sonst nirgendwo in den USA und vermutlich auch nirgendwo sonst auf der Welt. Was uns der Kurzbesuch in D.C. aber gezeigt hat, und auch unsere Nächtigung in Queens: Man braucht nicht weit zu fahren, um dem Wahnsinn in Manhattan zu entrinnen und das gewöhnliche Amerika zu Gesicht zu bekommen. Die suburbanen Gebiete von Washington D.C. unterscheiden sich kaum von denen in Alabama: Recht große Abstände zwischen den einzelnen Gebäuden, die alle höchstens zweistöckig sind, eher weniger Menschen auf den Straßen zu Fuß unterwegs, dafür umso mehr in riesigen Autos. Die Mentalitäten mögen andere sein, aber es sind eher feine Unterschiede. Was den Amerikanern gemein scheint, ist dass sie sich alle irgendwie in ihrem Umfeld kommunal betätigen. Der eine sitzt im House of Representatives, der nächste führt einen College Football Fan Club, ein anderer engagiert sich bei den Methodisten, in irgendeiner Weise übernimmt jeder irgendwo ein wenig Verantwortung. Dies spiegelt das zuvor angesprochene stets präsente Gefühl der Verbundenheit mit der Gemeinde und damit auch mit dem Staat wider. Amerika ist „the greatest country in the world“ und für eine Abweichung von diesem Konsens ist wenig Verständnis da, wie auch immer die politische Orientierung sein mag.

4. New York lives up to the hype.

Die Frage, die sich einem stellt wenn man über den Teich nach New York fliegt, ist zweifelsohne jene, ob die Stadt all den Legenden die sich um sie ranken gerecht wird. Tatsache ist, sie tut es. Alles bewegt sich unaufhörlich, es gibt keinen Stillstand, die Häuser ragen höher in den Himmel als man ihnen nachschauen kann, alle erdenklichen Kulturen des Erdenballs sind durch Kleidung, Küche und Sprache vertreten und eigentlich hat niemand Zeit sich das ganze in Ruhe anzuschauen.

Der Aufbau ist ebenso unvergleichlich, mit dem Central Park im Herzen, der wirklich wunderbar gewartet wird und eine reelle Erholungsmöglichkeit bietet, der 9th Avenue, der „restaurant av“, wo unterschiedlichste Esskulturen auf wenigen Kilometern vereint dargeboten werden, dem Broadway, wo sich zu jeder Tageszeit Heerscharen von Touristen und Einheimischen, mit der Absicht die Touristen auszunehmen, tummeln und all den andern Orten, wie sie so in Reiseführern beschrieben stehen. New York mag wohl einer der wenigen Orte auf der Welt sein, an dem man sich auf die Auskünfte in Reiseführern und Broschüren verlassen kann, denn auf Übertreibungen braucht man nach der enormen Fülle an Eindrücken, die die Stadt in einem hinterlässt wirklich nicht zurückgreifen.

Wenig zu berichten habe ich leider über das Nachtleben in den New Yorker Bars und Clubs, und welche Menschen sich dort so herumtreiben. Ich kann lediglich bestätigen, dass man es mit dem Mindestalter von 21 recht genau nimmt. Ohne eine passende ID wird man meist nicht einmal hinein gelassen.

Wenigstens bleibt mir so was zu tun für die nächste Reise in die Stadt, die niemals schläft.

Das war’s nun auch schon mit diesem Blog. Ich bedanke mich fürs lesen.

P.S.: Als kleines Zuckerl noch 3 Bilder.

August 3, 2008

4. Vierter Eintrag – Let me see your blue collar shining

Gespeichert unter: Uncategorized — lupz0r @ 8:57

Die letzte Woche hatte es in sich: Neben einem zweitägigen Trip nach Washington D.C., dem folgenden Wechsel des Hotels galt es den zweistündigen Flug nach Atlanta zu überwinden. Inzwischen sind wir in Auburn, der Universitätsstadt im Hillbillystaat Alabama gelandet. Wer meint in Österreich Engstirnigkeit und Primitivität gefunden zu haben, wird hier schnell eines besseren belehrt. Die Klischees bewahrheiten sich großteils. Dies ist aber nur das Ende einer Woche die geprägt war von Erfahrungen entlang des Reiches der Arbeiterklasse, aber der Reihe nach.
In D.C. gab sich just an dem Montag da wir anwesend waren die WWE ein Stelldichein zum Monday Night Raw – die billigsten Karten gab es um 20$, diese Gelegenheit wollten wir uns also nicht entgehen lassen. Das Spektakel spielte sich im Verizon-Center im Herzen D.C.’s ab, einer Mehrzweck-Halle, die für US-amerikanische Verhältnisse wohl nur gehobenes Mittelmaß darstellen mag, für uns blauäugige Europäer allerdings durchaus einen beeindruckenden Anblick bot. Die Anlage war riesig, etwas vergleichbares, überdachtes habe ich bisher noch nicht gesehen. Überhaupt scheinen Sportereignisse hier noch zwei, drei Nummern größer zu sein. Zur Verdeutlichung: Am Sonntag Abend fand ein WNBA Spiel in der Halle statt und diese schien hoffnungslos ausverkauft gewesen zu sein – zumindest legten die vielen, vor den Toren nach Tickets fragenden, Fans diesen Eindruck nahe.
Derartige Ereignisse scheinen vor allem einen Zweck zu haben: Sie bieten der working class eine Möglichkeit aus dem Regelkorsett des Alltags auszubrechen. Dementsprechend ging es auch beim Monday Night Raw zu. Die Fans buhten die Heels brav aus, und feuerten die Faces energisch an. Den Großteil des Menschenaufgebotes stellten schwer übergewichtige Schwarze, eine geschlechterspezifische Abweichung war nicht festzustellen, möglicherweise waren die Männer leicht in der Überzahl. Darüberhinaus waren viele Familien zu sehen, darunter viele Latinos, weiße working class Familien bildeten eher die Ausnahme. Es zeigt sich also, dass auch in diesem Amerika, das wohl bald einen schwarzen Präsidenten sehen wird, die Segregation alles andere als überwunden ist, bzw. die Wurzel solcher sozialer Phänomene wesentlich tiefer liegt., als dass sie durch bloße Gesetzgebung ausgesteuert werden könnte.
Das RAW Event an sich war nicht sehr berauschend, unser Abend wurde dadurch gerettet, dass das Saturday Night Main Event (das meinen Quellen zufolge gestern im Fernsehen zu sehen gewesen sein sollte) zuvor aufgezeichnet wurde. Im Zuge dieser Sendung gab es ein ansprechendes Match zwischen Edge und Jeff Hardy. Unser Sektor war dabei ganz auf der Seite des Rated R Superstars – bei uns saßen viele weiße Jungs um die 25 – während von rechts lautstark Jeff Hardy Rufe aus heiseren Kinderkehlen ertönten. Obwohl hier doch Gewalt zur Schau gestellt wird, und die Wrestling DVDs – man höre und staune – teilweise ein R Rating erhalten, handelt es sich bei den Veranstaltungen der WWE unterm Strich doch um Familiy Entertainment. Nicht umsonst bewegten wir uns auf dem Heimweg durch eine Schar von Kindern mit Rey Mysterio Masken und kleinen Heavy Weight Championship Gürteln.
Was die Anhängerschaften betrifft so konnte ich kein wirkliches System ausmachen. Ich will mich dennoch an einer Auflistung versuchen:
Kinder, Frauen: John Cena, Jeff Hardy, Rey Mysterio, Kane, Triple H, CM Punk, Cryme Tyme, Mickie James
Schwarze Männer: JBL, Edge, D-Lo Brown, Cryme Tyme, MVP
Weiße Männer: Edge, JBL, William Regal, Santino Marella (beide nur sehr vereinzelt)
Praktisch niemand: Charlie Haas, Glamazon, Jillian
Soviel zur Sports Entertainment Sensation WWE.
Hier in Alabama herrscht die Einöde stark vor. Die größte Attraktion ist der Walmart, in dem es aber auch wirklich alles für next to nothing gibt. So trinken wir mittlerweile, nach einer Dr. Pepper Phase Royal Crown Cola, das allerdings gar nicht so erhaben schmeckt, wie der Name es vermuten lässt. Im Coca Cola Museum in Atlanta (Georgia) waren wir auch – dort gibt es alle erdenklichen Produkte der Coca Cola Company nach Kontinenten geordnet zu verkosten. Folgende Urteile konnten wir uns bilden: Nord-Amerika: eintönig; Süd-Amerika: fruchtig; Europa: von pervers (Beverly) bis köstlich (Mezzo-Mix); Afrika: pervers süß; Asien: alles schmeckt irgendwie nach Tee.
Die größte Umstellung im Vergleich zu New York ist neben der größeren Luftfeuchte, dass es praktisch keine mehrstöckigen Gebäude gibt. Selbst die Malls bestehen aus einer Aneinanderreihung von Bungalows. Die nächsten Tage verbringen wir hoffentlich mit weiteren Hillbilly Aktivitäten wie shopping im Walmart und Western Outlet Store, oder dem Genuß von Barbecue.
Bis dahin, möge der Wrestling God JBL mit euch sein.

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