Seit Montag treibe ich mich nun in New York herum, gemeinsam mit drei weiteren Verbrecherseelen. Bis dato sind wir über Manhattan nicht hinaus gekommen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, ist allerdings auch äußerst unwahrscheinlich, zuviel gibt es hier zu erkunden. Die ersten drei Tage standen ganz im Zeichen von bestimmten Aufgaben die wir uns gestellt, halbwegs einfach vorgestellt haben, und schließlich in einer Zeit erfüllt haben, die den ursprünglich dafür erdachten Zeitplan völlig ad absurdum führt.
Unsere Quests lauteten wie folgt:
1. Gelangt vom John F. Kennedy Airport zu eurer Unterkunft in der Upper West Side.
2. Findet Prepaid Sim Karten und Mobiltelefone, um über große Distanzen hinweg im Land of the Free kommunizieren zu können.
3. Sucht kabellosen Anschluss an das Internet, ohne dafür Unmengen bezahlen zu müssen.
Tapfer und voll des guten Mutes machten wir uns also auf zu tun wie uns aufgetragen.
1. Nach einer kleinen Eskapade am Zoll, die unsere Einreise zwar nicht gefährdet, doch allerdings aufgehalten hat, ist die erste Durchsage die ich bewusst wahrnehme, die folgende: „Dear travellers, do not accept pick-ups from strangers, unless they were previously arranged“. Genau das tun wir aber, geraten an einen freundlichen Christen venezuleanischer Herkunft, der uns in etwa 40 Minuten für 60$ zu unserem Quartier bringt. Rückblickend vielleicht ein Risiko – die grundsätzliche Gutmütigkeit der Menschen und die starke Präsenz der Exekutive in Manhattan minimieren dieses allerdings. Zum Fahrstil der New Yorker sei lediglich angemerkt, dass er allen Klischées entspricht. Es herrscht eine bizarre Art geordneter Anarchie vor, in der auf den Nächsten so sehr geschissen und Acht gegeben wird, dass das Gleichgewicht der Ordnung der Welt nicht aus den Fugen gerät.
2. Einem Reiseführer entnehmen wir die Position der „Manhattan Mall“, eines der größeren Einkaufszentren. Vor Ort stellen wir fest, dass dieses sich gerade im Umbau befindet, weshalb nur die ersten beiden Stockwerke zugänglich sind. Dort gibt es allerdings nur Damengewänder, weshalb wir die Gegend verlassen und uns in der Avenue of the Americas gen Central Park bewegen. Wir finden einen kleinen Laden, der damit wirbt T-mobile Simkarten zu verkaufen. Ein unsympathischer Immigrant, Pakistani oder Inder, verkauft uns eine Sim Karte plus 10$ Refill Card für 65$. In Ermangelung besseren Wissens, aber dringendem Verlangens nach einem Kommunikationsgerät akzeptieren wir. Auf unserem Marsch zum Central Park finden wir einen Licensed T-Mobile Retailer. Der freundliche und kompetente Immigrant dort, Thai oder Vietnamese, hat leider keine Sim-Karten mehr, verweist uns aber ein Stück hinauf zu einem offiziellen T-mobile Store. Dort schließlich erhalten wir die Sim Karte mit Refill für etwas mehr als 20$ und legen uns zusätzlich zwei 30$ Telefone zu. Der zweite Tag in New York, der erste Rip-Off. Hoffentlich der letzte.
3. Die große Schwierigkeit an dieser Aufgabe ist, dass es praktisch unmöglich ist herauszufinden wo es günstiges W-Lan gibt, ohne dafür das Internet zu verwenden. Unsere Absteige bietet Wireless für 10$ pro 24 Stunden – ein lächerliches Angebot. Ein ausgedehnter Spaziergang entlang der 9th Avenue bringt mich in ein kleines Lokal namens „Coffee Pot“. Dort gibt es immerhin eine halbe Stunde ab einem Einkauf von 4$. MIt Hilfe von Google mache ich von dort aus einige Hotspots ausfindig, wirklich gratis scheint keiner davon zu sein. In den nächsten Tagen werde ich mich noch in der Stadtbibliothek umsehen, grundsätzlich aber rate ich jedem davon ab, seine Reisepläne in irgendeiner Weise vom Internet abhängig zu machen. Szenarios wie „da such ich ma dann dort irgendwo ein W-Lan und bast scho“ sind leider einfach unrealistisch.
Ein paar Feststellungen nach 3 Tagen New York:
Der Dollar mag gut stehen, aber New York ist immer noch verdammt teuer. Essen in einem Restaurant unter 25$ ist quasi unmöglich. Die Fastfood Möglichkeiten sind da, allerdings nicht immer überragend. Wer längere Märsche plant, vor allem entlang der großen Einkaufsstraßen wie Park Avenue, sollte unbedingt mindestens 1L Wasser immer bei sich haben. Es gibt oft über Blöcke hinweg keine Supermärkte, und längst nicht alle Boutiquen haben einen Eiskasten und Mineralwasser. Wendy’s hat die ekelhaftesten Burger des Planeten – da neben an praktisch immer ein McDonalds oder Burger King ist, ist mir die Existenz dieser Kette unerklärlich.
Wer möglichst nicht auf die (In-)Kompetenz der Amerikaner angewiesen sein möchte, bzw. keinen Rip-off erleiden möchte, sollte sich über alle möglichen Szenarien bereits im vorhinein erkundigen. Bei ausfindig gemachten Adressen gilt es immer auch die horizontale Position, sprich die zugehörige Avenue zu notieren. Die Angaben erfolgen in der Regel nur durch Straße und Hausnummer – die Wahrscheinlichkeit die korrekte Position so erfragen zu können, fast gleich Null.
Für die nächsten Tage stehen weitere Märsche in Manhattan sowie ein Trip auf das Empire State Building an. Außerdem suchen wir immer noch Karten für den Great American Bash.
Darüber bald mehr.
Peace Out!