Der Mittwoch brachte nun tatsächlich den Dark Knight, und er war grandios. Die erste positive Überraschung trat in Form der freundlichen Kassierin im Kino zutage, die ohne auch nur einen Moment zu zögern unser überflüssiges fünftes Ticket refundierte. Eine ähnliche Situation in einem österreichischen Kino würde zweifelsohne in einer mehrminütigen Diskussion darüber enden, ob dieses Ticket jetzt zurückgenommen werden kann oder nicht und abhängig vom Wohlwollen des Angestellten bzw. seiner unmittelbar Vorgesetzten entschieden werden. Eine derartige Auffassung der Beziehung zum Kunden gibt es in diesem Land einfach nicht – spukt ein Angestellter einem Kunden auch nur ansatzweise ins Gesicht, kann er sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Natürlich sind die (vorwiegend farbigen) Kerle die eh schon unterbezahlte Drecksjobs machen und dann noch freundlich sein müssen, zu bemitleiden, trotzdem ist es aus der Perspektive des Kunden wesentlich angenehmer, und führt zu deutlich weniger Spannungssituationen. Ich bin nun wahrlich kein Mensch, der sich gerne in Einkaufszentren und anderen stark humanoid verseuchten Gegenden herumtreibt, wenn mir das aber in der Heimat passiert, so ergibt sich fast immer mindestens eine Situation in der sich zwei Kunden oder ein Kunde und ein Verkäufer über irgendeinen Sachverhalt echauffieren. Hier verbringe ich ganze Nachmittage in solchen Gegenden und wurde bis dato noch nicht Zeuge eines solchen Spektakels. Auch wenn diese Aura zwischenmenschlichen Respekts geheuchelt sein mag, sie besteht und ihre Wirkung ist spürbar. Und ehrlich gesagt, so unsympathisch ist mir das ganze dann doch nicht, immerhin motiviert dieser Zustand die Menschen zu Geduld und Verständnis für einander.
Zum Film ansich nur ein paar Bemerkungen:
Heath Ledger spielt toll. Sein Joker ist noch wahnsinniger als die Nicholson-Variante, man zweifelt zu keinem Zeitpunkt an seiner Durchtriebenheit und die Facetten seiner wirren Persönlichkeit, die er in den Dialogen mit Batman bzw. Harvey Dent offenbart, wirken verstörend real. Letzterer spielt eine wesentlich wichtigere Rolle als ich vermutet hätte, Aaron Eckhart stellt im insgesamt sehr feinen Cast keine Ausnahme dar und spielt den White Knight Harvey Dent sehr überzeugend. Der Film rangiert momentan mit einigem Respektabstand auf der Nummer eins in den imdb-Top 250 und ganz ungerechtfertigt ist auch das nicht. Es wird sich noch zeigen müssen, wieviel der Hype um Heath Ledger ausmacht wird sich erst zeigen müssen, schaden tut er dem Film definitiv nicht.
Kurz nochmal zum Wrestling: Wir versuchen gegenwärtig das Edge „Sex & Violence“ T-shirt zu ergattern, was sich als unverständlich schwer erweist. Generell gibt es hier einfach keine Chance irgendwas in Richtung WWE zu unternehmen. Die erhältlichen T-Shirts sind nichts als ideenlose Massenware, in den T-Shirt Shops gibts in erster Linie Yankees Aparel, dazwischen verirrt sich manchmal ein Simpsons oder Family Guy Shirt. Auch South Park ist in der Merchandisingindustrie überraschend irrelevant – ein Vorzeichen für ein Ende der Serie in 2-3 Jahren? Wir wollen es nicht hoffen.
Ich werde mich jetzt auf die Suche nach dem größten Burger, den New York City zu bieten hat machen, sonntags gehts nach D.C. Vielleicht find ich dort endlich ein „McCain 2008″ Shirt – er hat einfach die besseren Pommes.
Juli 26, 2008
3. Dritter Eintrag – Der beste Film aller Zeiten und der Wrestling-Frustration zweiter Teil
Juli 23, 2008
2. Zweiter Eintrag – Why New York hates Wrestling and loves John Cena
Die Tage bis gestern wurden durch eine Mission bestimmt – Karten für den Great American Bash zu erlangen bzw. wenigstens eine Bar ausfindig zu machen in der das Spektakel live mit verfolgt werden kann. Letztlich verfolgten wir das Ereignis beim Essen vermittels eines Online Livetickers. Doch der Reihe nach.
Der Bash war offenbar bereits Ende März ausverkauft, Tickets gab es also nur noch von Privat an Privat, oder über eine Kartenagentur. Letzteres fiel aufgrund der Knappheit aus – wollten wir nicht 60$ oder mehr für den Versand blechen, so wäre es sich nicht mehr rechtzeitig ausgegangen. Es folgte ein Inserat bei craigslist, der größten Börse für Kleinanzeigen in den USA. Tatsächlich meldeten sich Menschen mit Offerten, allerdings blieb es nur bei diesen, meine Versuche den Kontakt in einen Deal umzumünzen schlugen fehl. Ab Samstag Nachmittag also, begannen wir – zumindest jax0r und ich – intensiv damit uns nach einer Bar um zu sehen, in der uns der Bash live gezeigt werden würde. Hier wurde das Unterfangen frustrierend – in ganz New York City gibt es genau ein Lokal, das WWE Pay-per-views zeigt, und dieses liegt in Staten Island. Staten Island ist nur per Fähre zu erreichen, und abgesehen davon schon ein eher grindiger Ort. Die Aussicht, nachts vielleicht nicht mehr wirklich zurück nach Manhattan zu kommen, war darüber hinaus nicht besonders angenehm. Gleiches galt für die beiden Lokale in New Jersey, die ebenfalls noch im erweiterten Einzugsbereich gelegen hätten. Die Tatsache, dass in Manhattan zwar eine der administrativen Zentralen der WWE Inc. liegt, es allerdings offensichtlich kein Interesse an der Promotion gibt, ist peinlich, ja fast skandalös. Der einzige Zugang, den diese Stadt zur Königsdisziplin des Sports Entertainment kennt, sind John Cena T-Shirts sowohl bei Tandlern auf den Straßen, als auch in großen Einkaufshausketten wie dem Virgin Megastore. Warum gerade dieser Kasperl, der so tut als wär er bei der Army, obwohl er aus Massachusetts kommt, bei irgendjemandem Anklang findet ist mir schleierhaft. Möglicherweise reicht seine Herkunft alleine, um im demokratischen New York Sympathien zu erhaschen.
Abseits von der Wrestling-Frustration, tut sich zum Glück auch noch was: Inzwischen haben wir das Empire State Building erklommen – eine reine Tourismus-Hölle, die mit dem majestätischen Großstadtpalast, der uns in King Kong präsentiert wurde nur noch sehr wenig gemein hat. Die Aussicht war zwar schön, allerdings alles andere als inspirierend – wer dauernd von Powertouristen aus der ganzen Welt in die Seite geboxt wird, tut sich schwer in Tiefe Kontemplation und Ehrfurcht zu versinken.
Am Freitag machten wir uns das erste Mal auf das New Yorker Nachtleben zu erkunden – auch hier ein eher trauriges Bild. Die ID-Kontrollen bestehen, und werden recht ernst genommen, trotzdem entdecken wir am Union Square genug Minderjährige die ganz offensichtlich stockbesoffen waren. In den Bars schließlich gibt es in erster Linie teures und ekelhaftes Bier. Wer sich betrinken will, muss auf Cocktails zurückgreifen. Die Biere sind leider wirklich zu vergessen – Ich trinke praktisch nur noch Corona, weil es bezeichnender Weise das einzige Bier ist, das nach Bier schmeckt.
Am Mittwoch steht Dark Knight im Imax an, dem fiebern wir alle schon entgegen. Ob Heath Ledger Jack Nicholson das Wasser reichen kann? Die Reviews sagen „Ja!“ – wir werden sehen.
Juli 18, 2008
1. Erste Tage, erste Eindrücke
Seit Montag treibe ich mich nun in New York herum, gemeinsam mit drei weiteren Verbrecherseelen. Bis dato sind wir über Manhattan nicht hinaus gekommen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, ist allerdings auch äußerst unwahrscheinlich, zuviel gibt es hier zu erkunden. Die ersten drei Tage standen ganz im Zeichen von bestimmten Aufgaben die wir uns gestellt, halbwegs einfach vorgestellt haben, und schließlich in einer Zeit erfüllt haben, die den ursprünglich dafür erdachten Zeitplan völlig ad absurdum führt.
Unsere Quests lauteten wie folgt:
1. Gelangt vom John F. Kennedy Airport zu eurer Unterkunft in der Upper West Side.
2. Findet Prepaid Sim Karten und Mobiltelefone, um über große Distanzen hinweg im Land of the Free kommunizieren zu können.
3. Sucht kabellosen Anschluss an das Internet, ohne dafür Unmengen bezahlen zu müssen.
Tapfer und voll des guten Mutes machten wir uns also auf zu tun wie uns aufgetragen.
1. Nach einer kleinen Eskapade am Zoll, die unsere Einreise zwar nicht gefährdet, doch allerdings aufgehalten hat, ist die erste Durchsage die ich bewusst wahrnehme, die folgende: „Dear travellers, do not accept pick-ups from strangers, unless they were previously arranged“. Genau das tun wir aber, geraten an einen freundlichen Christen venezuleanischer Herkunft, der uns in etwa 40 Minuten für 60$ zu unserem Quartier bringt. Rückblickend vielleicht ein Risiko – die grundsätzliche Gutmütigkeit der Menschen und die starke Präsenz der Exekutive in Manhattan minimieren dieses allerdings. Zum Fahrstil der New Yorker sei lediglich angemerkt, dass er allen Klischées entspricht. Es herrscht eine bizarre Art geordneter Anarchie vor, in der auf den Nächsten so sehr geschissen und Acht gegeben wird, dass das Gleichgewicht der Ordnung der Welt nicht aus den Fugen gerät.
2. Einem Reiseführer entnehmen wir die Position der „Manhattan Mall“, eines der größeren Einkaufszentren. Vor Ort stellen wir fest, dass dieses sich gerade im Umbau befindet, weshalb nur die ersten beiden Stockwerke zugänglich sind. Dort gibt es allerdings nur Damengewänder, weshalb wir die Gegend verlassen und uns in der Avenue of the Americas gen Central Park bewegen. Wir finden einen kleinen Laden, der damit wirbt T-mobile Simkarten zu verkaufen. Ein unsympathischer Immigrant, Pakistani oder Inder, verkauft uns eine Sim Karte plus 10$ Refill Card für 65$. In Ermangelung besseren Wissens, aber dringendem Verlangens nach einem Kommunikationsgerät akzeptieren wir. Auf unserem Marsch zum Central Park finden wir einen Licensed T-Mobile Retailer. Der freundliche und kompetente Immigrant dort, Thai oder Vietnamese, hat leider keine Sim-Karten mehr, verweist uns aber ein Stück hinauf zu einem offiziellen T-mobile Store. Dort schließlich erhalten wir die Sim Karte mit Refill für etwas mehr als 20$ und legen uns zusätzlich zwei 30$ Telefone zu. Der zweite Tag in New York, der erste Rip-Off. Hoffentlich der letzte.
3. Die große Schwierigkeit an dieser Aufgabe ist, dass es praktisch unmöglich ist herauszufinden wo es günstiges W-Lan gibt, ohne dafür das Internet zu verwenden. Unsere Absteige bietet Wireless für 10$ pro 24 Stunden – ein lächerliches Angebot. Ein ausgedehnter Spaziergang entlang der 9th Avenue bringt mich in ein kleines Lokal namens „Coffee Pot“. Dort gibt es immerhin eine halbe Stunde ab einem Einkauf von 4$. MIt Hilfe von Google mache ich von dort aus einige Hotspots ausfindig, wirklich gratis scheint keiner davon zu sein. In den nächsten Tagen werde ich mich noch in der Stadtbibliothek umsehen, grundsätzlich aber rate ich jedem davon ab, seine Reisepläne in irgendeiner Weise vom Internet abhängig zu machen. Szenarios wie „da such ich ma dann dort irgendwo ein W-Lan und bast scho“ sind leider einfach unrealistisch.
Ein paar Feststellungen nach 3 Tagen New York:
Der Dollar mag gut stehen, aber New York ist immer noch verdammt teuer. Essen in einem Restaurant unter 25$ ist quasi unmöglich. Die Fastfood Möglichkeiten sind da, allerdings nicht immer überragend. Wer längere Märsche plant, vor allem entlang der großen Einkaufsstraßen wie Park Avenue, sollte unbedingt mindestens 1L Wasser immer bei sich haben. Es gibt oft über Blöcke hinweg keine Supermärkte, und längst nicht alle Boutiquen haben einen Eiskasten und Mineralwasser. Wendy’s hat die ekelhaftesten Burger des Planeten – da neben an praktisch immer ein McDonalds oder Burger King ist, ist mir die Existenz dieser Kette unerklärlich.
Wer möglichst nicht auf die (In-)Kompetenz der Amerikaner angewiesen sein möchte, bzw. keinen Rip-off erleiden möchte, sollte sich über alle möglichen Szenarien bereits im vorhinein erkundigen. Bei ausfindig gemachten Adressen gilt es immer auch die horizontale Position, sprich die zugehörige Avenue zu notieren. Die Angaben erfolgen in der Regel nur durch Straße und Hausnummer – die Wahrscheinlichkeit die korrekte Position so erfragen zu können, fast gleich Null.
Für die nächsten Tage stehen weitere Märsche in Manhattan sowie ein Trip auf das Empire State Building an. Außerdem suchen wir immer noch Karten für den Great American Bash.
Darüber bald mehr.
Peace Out!